Allgemein

The View · Die Lehre

Dieser Auszug stammt aus dem Buch „Tantra Illuminated“ von Hareesh, Christopher D. Wallis. Die Gestaltung des Posters habe ich erstellt. Es gibt eine deutsche Übersetzung von mir, die allerdings angesichts der dichten, prosaischen philosophischen Sprache ausgesprochen diffizil ist. Solltest Du Lust und Zeit und Vorschläge für diese Übersetzung haben, hier ist ein Link zu einem Google Docs, mit diesem Link kannst Du bearbeiten und Vorschläge machen …

Meditation

Grundlagen der Meditation

(Teil 1)

  • Was ist das, Meditation, woher kommt es?
    Es gibt viele Definitionen, einige scheinen sich zu widersprechen:
    – still sitzen, denken, nicht denken, über etwas meditieren, sich auf etwas konzentrieren, sich zurückziehen, Weg zur Erleuchtung
    Ursprung: natürliche Suche nach dem Selbst, dem ich, dem Sinn des Lebens
    die meisten Kinder fragen schon früh nach Gott und dem Sinn
    die meisten Religionen bieten ‚Techniken‘ zur Zwiesprache mit dem Göttlichen/Universum/sich selbst
    Gebete sind eine Form der Meditation, meist mit Anlass, Absicht + Thema
  • Wie geht es?
    jeder kann meditieren / aber: es erfordert Arbeit, Zeit, Disziplin, und es ist nicht immer angehnehm!
    1. Hürde: erst mal anfangen, regelmäßig wieder neu anfangen, nicht aufgeben / zähmen bzw. Disziplin
    2. Hürde: Körper und Geist wehren sich, Ausreden, Unbequemlichkeiten / zulassen
    3. Hürde: das Ergebnis entspricht nicht den Zielen, Vorstellungen wie es zu sein hat / beobachten
  • Warum soll ich das dann tun, was nutzt es?
    Meditieren ist für den Geist wie die tägliche Dusche für den Körper, reinigt, klärt, erfrischt
    Mittel um Ruhe zu finden, auch in stressigen Situationen – anderer Blickwinkel – Fähigkeit, Distanz zu schaffen
    Reise nach innen, Erfahrung des eigenen Seins auf tiefer Bewusstseinsebene,
    mehr Gewahrsein auch im Alltag, Erleuchtung als Prozess
  • Techniken
    Dalai Lama: 3 Arten der Meditation: Nichts | Konzentration | Anker – andere Einteilungen sind möglich
  • Übungen
    Atem-Meditation + mehrere Übungen aus dem Kundalini-Yoga

Chakra-Meditation

Chakra-Meditation mit Symbol von "OM"Chakra-Meditation: Kombination von Bewegung (Raum), Mantra (Klang), und Atem (Luft)

Vorbereitung

Du beginnst in einem bequemen Sitz, schaffst eine stabile Basis, ggf. zieh das Sitzfleisch weg von den Sitzbeinhöckern so dass Dein unterer Rücken Platz hat. Einatmend richte Dich entlang der Wirbelsäule auf, ausatmend lass Dich vom Becken her schwer werden. Nimm Dir einige Atemzüge, schließ die Augen, nimm wahr, wie der Atem Deinen Brustkorb hebt und senkt.

Übungsanleitung

Leg die linke Hand auf die Mitte Deiner Brust (Herzgegend). Beginne von unten nach oben aufsteigend die Bewegung mit der rechten Hand, lege sie auf das jeweilige Mantra – ggf. mit etwas Abstand davor – und töne folgende Mantras. Spüre die Wärme Deiner Hand auf dem Körper, atme tief, ruhig und langsam. Beginne mit normaler Stimme je 3-11 Zyklen, dann mit Flüsterstimme und dann ohne Laut.

Mantras für die Chakra-Meditation

  1. Erstes Chakra (Muladhara – Basis-/Wurzelchakra /  Selbsterhaltung)
    OM Bhur
  2. Zweites Chakra (Svadhisthana / Selbsterfüllung)
    OM Bhuvaha
  3. Drittes Chakra (Manipura / Selbstdefinition)
    OM Svaha
  4. Viertes Chakra (Anahata / Selbstakzeptanz)
    OM Maha
  5. Fünftes Chakra (Vishudda / Selbstausdruck )
    OM Janaha
  6. Sechtes Chakra (Ajna, Drittes Auge / Selbstreflexion )
    OM Tapaha
  7. Siebtes Chakra (Sahasra, universelle Identität)
    OM Sat Yam

Erlaube Dir nach dieser Mantra-Reihe ein paar Minuten Stille – im Sitzen oder Liegen – und spüre Deinen Atem, vielleicht eine Veränderung Deiner Energie … Namasté!

Vielen Dank an Sianna Sherman! Von ihr habe ich diese wunderbare Meditationsreihe gelernt. Ich wende sie selbst sehr gerne an und freue mich, sie an Euch weitergeben zu dürfen.

Aura

Was ist eigentlich eine Aura?

Wir im Westen würden vielleicht sagen, das ist die Ausstrahlung eines Menschen. Manchmal begegne ich jemandem, der/die ohne etwas zu sagen meine Aufmerksamkeit fesselt. Er/sie wirkt einfach durch seine Präsenz, weniger durch seine Optik oder seine Worte. Wenn die Worte dann zu meinem Eindruck passen, umso besser.

Dann gibt es die Vorstellung eines Energiefeldes welches alles umgibt was lebt. Vielleicht ist dieses Energiefeld mal mehr, mal weniger spürbar, je nachdem, wie es mit meinem eigenen übereinstimmt oder „sich verträgt“. Kinder und auch geistig behinderte Menschen haben oft einen sehr guten Zugang zu dem Gefühl welches der Gegenüber nach außen strahlt, oder in mir auslöst. Jeder hat natürlich gute und weniger gute Stimmungen die sicherlich unsere Ausstrahlung beeinflussen, aber vielleicht gibt es doch so eine grundlegende, spürbare Frequenz in der ich schwinge und mich bewege.

Ist mit Aura mein persönlicher Raum gemeint, meine fühlbaren Außengrenzen, meine Haut oder der unmittelbare Bereich darum herum? Ist es mein Verstand in den ich niemanden ohne meine Erlaubnis hineinlasse bzw. den ich anderen mitteile oder auch nicht?

– – –

In der Tradition des Yoga geben die „Upanishaden“, eine Sammlung philosophischer Schriften (ca. 700-200 v. Chr.) eine mögliche Erklärung. Der menschliche Körper besteht aus drei groben Einteilungen: physisch (s.u.: 1.), subtil (2., 3, 4.), kausal (5.). Diese werden wiederum in 5 Koshas (Hüllen) „aufgeteilt“. Aufteilen trifft es aber nicht, denn die Hüllen durchdringen einander, bedingen und nähren einander und hängen voneinander ab, jede ist gleich wichtig und kostbar. Das ist ein wenig so wie bei dem optischen Modell eines Atoms, eine theoretische Annäherung um komplexe Ideen sichtbar und damit verständlicher zu machen.

  1. Annamaya Kosha – Die Nahrungshülle

entspricht unserem physischen Körper der durch Nahrung lebt und selbst Nahrung (Erde) wird. Die 5 Elemente beziehen sich auf diese Hülle, Geburt und Tod sind ihre Themen. Wir beeinflussen ihre Kraft und Stabilität durch die Standhaltungen der Asana-Yogapraxis.

  1. Pranayama Kosha – Die Vitalkraft

oder auch unser Astral- bzw. Phantomkörper. Prana ist die lebendige Energie des Universums, aufgenommen und transportiert durch unseren Atem. Hier entstehen die Schwingungen die unsere Organe und unseren physischen Körper funktionieren lässt. Sie steht in Verbindung mit unseren Organen, Nerven, Empfindungen. Die Energiebahnen „Nadis“ sind Aspekte dieser Hülle. In der Asana-Yogapraxis üben wir Drehungen/Twists und natürlich den bewussten Umgang mit unserem Atem in Pranayama-Atemübungen.

  1. Manomaya Kosha – Die Gedankenhülle

Manas wird mit Geist übersetzt, hier schwingen die „vrittis“, unsere Gedanken. Unser Verstand, unsere Gedanken und Emotionen aufgrund von Sinneswahrnehmungen durchdringen die beiden anderen Hüllen und füllen sie mit unserem Selbst, mit unserer Seele. Träume gehören zu dieser Hülle. Wir üben Hüftöffner und Vorbeugen um uns mit dieser Hülle zu verbinden.

  1. Vijnamaya Kosha – Die Weisheitshülle

hängt mit unserer Fähigkeit zur Erkenntnis zusammen. Durch bewusstes Beobachten erkennen wir, unsere innere Einsicht führt zu Wissen und in Verbindung mit unserer Intuition zu Weisheit. Balanceübungen wirken in unserer Yogapraxis. Meditation verbindet uns mit der höheren Intelligenz unseres unsterblichen Kerns.

  1. Anandamaya Kosha – Die Wonnehülle

Sind alle unsere Hüllen gut entwickelt und genährt, ruhen wir im Sein. Wir sind glückselig. In der Asana-Praxis sind Rückbeugen mit dieser Hülle assoziiert. Natürliche Folge von Glückseligkeit sind Offenheit, Mitgefühl und Toleranz für alle anderen Lebewesen. Erfahrung von Einheit mit allen Dingen.

Siddhartha

Siddhartha von Hermann Hesse (Teil 1)

Die Literatur der Jahrhundertwende ist unglaublich spannend. Ende des 19. Jahrhunderts öffnete sich der europäische Kulturkreis für Ansichten aus anderen Denksystemen. Nachdem Vivekananda (viveka = unterscheiden können) 1893 auf dem Parlament der Weltreligionen die Philosophie des Vedanta (seine Interpretation davon) vorgestellt hatte, beschäftigten sich die geistigen Vorreiter und künstlerischen Eliten in Europa auch mit dem Buddhismus und Hinduismus. Die Geschichte „Siddhartha“ von Hermann Hesse spiegelt das östliche Gedankengut so gut wider, dass sie in mehrere indische und asiatischen Sprachen übersetzt wurde und dort sehr erfolgreich war.

(Übrigens handelte meine Abitur-Abschlussarbeit vom „Märchen vom Korbstuhl“ von H. Hesse – mein Interesse für die Zeit und diesen Autor brachte mir damals den Scheffel-Preis für die beste Deutsch-Klausur ein.) 

Teil I: Zusammenfassung der Geschichte „Siddhartha“ von Hermann Hesse, geschrieben 1919-1922

Ein junger Bramahne mit Namen Siddhartha übt sich früh in den vedischen Künsten und er ist sehr lerneifrig und wissbegierig. Er lernt schnell und gut und übertrifft bald seine Lehrer. Wissend, dass diese ihm ihr bestes bereits gegeben haben, wird er zunehmend unzufrieden. Er sieht, dass sie sich ihr Leben lang den Lehren widmen und doch das ersehnte Ziel – die Erlösung – nicht erlangen.

So verlässt er sein Elternhaus und schließt sich den wilden Samanas (Asketen) an. Sein Ziel: leer werden – von Durst, von Wunsch, von Traum, Freude und Leid. Das „Ich“ zu überwinden um im innersten das große Geheimnis zu finden. Er lernt viel: den Atem zu sparen, den Herzschlag zu kontrollieren, sich in die Dinge der Welt hineinzuversetzen. Siddhartha schlüpft gedanklich und in jedes Tier von seiner Geburt bis zu seinem Tod und fühlt mit ihm. Er erlebt den Kreislauf des Lebens, tötet seine eigenen Sinne, seine Erinnerungen, seine Bedürfnisse.

Doch bald fragt er weiter: Was ist Versenkung, Verlassen des Körpers, Fasten, Anhalten des Atems anderes als eine weitere Flucht vor dem Ich, Betäubung gegen den Schmerz und die Unsinnigkeit des Lebens. So etwas kann man auch in der Kneipe finden. Nähern wir uns der Erkenntnis oder gehen wir vielmehr im Kreis? Wenn das Wissen in allem ist, ist nicht das Lernen/Wissenwollen selbst der ärgste Feind der Erkenntnis?

Siddhartha verlässt die Samanas und trifft auf einen erleuchteten Weisen. Er erkennt, dass dieser das höchste Ziel erreicht und Erlösung vom Tod gefunden hat. Er sieht aber auch, dass dies nicht durch eine noch so klare und einleuchtende Lehre erreicht wurde, sondern nur durch eigene Suche, auf eigenem Weg, durch Gedanken, Versenkung und eigene Erkenntnis. Das Geheimnis der Erleuchtung ist nicht durch Worte mitteilbar. Also setzt Siddhartha seine Wanderschaft fort und verlässt alle Lehrer und Lehren um sein Ziel allein zu erreichen.


Kommentar:

In diesem ersten Teil der Erzählung finden sich viele Aspekte wieder, die mir in der Yoga-Praxis begegnen. Der Wunsch nach Erweiterung des eigenen Horizonts, Lernen, Wissen, neue Erfahrungen – das ist mein ganz grundlegender, menschlicher Antrieb.

Auch die Übungen im Yoga, die Asanas (Körperübungen) in Verbindung mit Pranayama (Atemlenkung) und Meditation haben das Ziel, die Grenzen von Körper und Geist zu erfahren und vielleicht auszudehnen und zusammen mit dem Atem Zugang zu neuen Energien zu finden.

So hilfreich es auch ist, eine Yoga-Richtung zu finden, die mir gut tut, mich nicht verletzt sondern stärkt, so sehr bin ich auch immer auf mich selbst zurückgeworfen. Ich muss selbst meine Übungen machen und bestimme deren Intensität. Ich achte auf meinen Körper und seine Möglichkeiten und Beschränkungen. Beim Yoga lerne ich, die eigenen Grenzen zu respektieren oder vielleicht auch schwierigen Herausforderungen immer wieder zu begegnen, bis ich sie meistern kann. Wie meine Yogalehrerin Nicole Konrad immer wieder sagt: „Schau, wie Du Deiner Yoga-Praxis begegnest, so verhälst Du Dich auch dem täglichen Leben.“

Und nun noch einmal Hesse: „Suchen heißt: ein Ziel zu haben, finden heißt: frei sein, offen sein, kein Ziel haben. Wissen kann man mitteilen, Weisheit nicht. Man kann sie finden, kann sie leben, kann von ihr getragen werden.“

In manchen Yoga-Stunden als Teilnehmer oder auch als Lehrer fühle ich ein wenig von dieser Idee, getragen zu sein. Dann bin ich immer wieder sehr glücklich, Yoga für mich entdeckt zu haben und vermitteln zu dürfen.

 Namaste!
(Das Wissen/Licht in mir sieht und achtet das Wissen/Licht in Dir)!

 

 

Ijengar

B.K.S. Iyengar (Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar) (1918 – 2014)
Die präzise und disziplinierte Ausrichtung des Körpers sowie die Verwendung von Hilfsmitteln prägen diesen Yogastil der nach ihm benannt ist.

Continue reading